
Es gibt Momente, in denen das Leben nicht einfach „schwer“ ist, sondern überwältigend. Nicht, weil im Außen ein einzelnes Ereignis passiert, das man irgendwie verdauen könnte – sondern weil innen alles gleichzeitig losgeht: Hilflosigkeit, Trauer, Überforderung, Zukunftsängste, das Gefühl, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben. Gedanken überschlagen sich, Szenarien entstehen im Kopf, ein Film nach dem anderen. Und irgendwann weiß man nicht mehr: Was ist gerade wirklich? Und was ist nur Angst?
Ich kenne diese Momente.
Und ich schreibe darüber, weil ich glaube, dass viele Menschen sie kennen – egal, ob es um Familie, Partnerschaft, Gesundheit, Geld oder Lebensentscheidungen geht. Es gibt Situationen, da fühlt es sich an, als würde etwas in uns „abgeschnitten“. Die Verbindung zu uns selbst. Zu unserem Herzen. Zu Gott. Zur Quelle. Zur Liebe.
Man kann es nennen, wie man möchte: Gott, Jesus, die unendliche Liebe, das Leben selbst. Für mich ist es diese gelebte Gegenwart, die trägt. Und genau diese Verbindung kann sich in Krisen plötzlich anfühlen, als wäre sie weg.
Dabei ist sie nicht weg.
Sie ist nur überdeckt.
Der Sturm im Kopf – und die Illusion von Kontrolle
Wenn ich in einem inneren Konflikt stecke, ist es oft nicht nur die Situation selbst, die mich erschöpft. Es sind die Gedanken. Gedanken, die weit vorauslaufen. Gedanken, die Probleme lösen wollen, die noch gar nicht da sind. Gedanken, die Kontrolle herstellen möchten, wo gerade keine Kontrolle möglich ist. Gedanken, die Sicherheit erzwingen wollen – und dadurch genau das Gegenteil erzeugen: Enge, Druck, Panik.
Es ist erstaunlich, wie schnell daraus eine innere Realität wird. Der Körper reagiert, als wäre die Katastrophe schon passiert. Das Herz zieht sich zusammen. Man fühlt sich allein. Man fühlt sich klein. Und irgendwann glaubt man: So ist es eben. So bin ich jetzt. So bleibt es.
Aber das ist nicht die Wahrheit.
Das ist ein Zustand.
Ein Zustand der durch Gedanken genährt wird – und deshalb auch durch Bewusstsein wieder verändert werden kann.
Das „innere Klopfen“
Mitten in so einem Gedankengewitter gab es bei mir einen Moment, der sich anfühlte wie ein leises Klopfen von innen.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher wie ein sanfter Impuls, der sagt: Schau hin. Werd still. Merkst du, was du gerade tust?
Und ich habe in diesem Moment nicht weiter gedacht, sondern wahrgenommen. Ich habe gemerkt: Da rennen in meinem Kopf gerade zwanzig Zukünfte herum, aber keine davon ist jetzt. Da werden gerade Ängste wie Fakten behandelt. Da wird gerade ein innerer Film abgespult – und ich glaube ihm.
Und alleine dieses Wahrnehmen hat etwas verändert.
Es war, als würde ich innerlich einen Schritt zurücktreten und sehen: Ah…das sind Gedanken. Nicht die Wahrheit. Nicht Gott. Nicht mein Herz.
Der Wendepunkt: Ich komme zurück
Ich glaube, der entscheidende Punkt ist nicht, dass wir nie in Angst fallen. Der entscheidende Punkt ist: Dass wir wissen, dass wir zurückkommen können.
Zurück in den Körper.
Zurück in den Atem.
Zurück ins Herz.
Zurück in die Gegenwart.
Zurück in die Liebe.
Ich habe mich in diesem Moment bewusst zurückgeholt.
Nicht durch Kampf. Nicht durch wegdrücken. Sondern durch eine Entscheidung: Ich gehe jetzt nicht weiter mit diesem Gedanken. Ich gebe die Kontrolle ab. Ich komme zurück in die Verbindung. Und ja – ich nenne das auch Gebet, manchmal ohne Worte. Ein inneres Hinwenden an Gott. Zu Jesus. Zu dieser Liebe, die nicht diskutiert, nicht analysiert, nicht bewertet – sondern hält.
Ich habe gespürt: Ich bin nicht verloren. Ich bin nur weggerutscht. Und ich kann mich wieder ausrichten.
Frieden, obwohl sich nichts im Außen verändert
Das Beeindruckendste war:
Im Außen war alles noch gleich.
Keine Situation war gelöst. Keine Diagnose verändert. Kein Mensch plötzlich anders. Keine Nachricht plötzlich gut.
Und trotzdem war in mir plötzlich Frieden. Nicht der Frieden von „alles ist perfekt“. Sondern der Frieden von:
Ich bin wieder da.
Ich bin verbunden.
Ich atme.
Ich fühle mein Herz wieder.
Ich bin gehalten und in Sicherheit – auch wenn ich nicht weiß, wie es weitergeht.
Und genau das ist für mich eines der größten Missverständnisse, das wir oft in uns tragen: Dass Frieden erst kommen darf, wenn alles geklärt ist.
Aber echter Frieden funktioniert anders. Er kommt, wenn wir uns innerlich wieder an die Wahrheit anbinden – und die Wahrheit ist: Wir sind nicht nur unsere Gedanken. Wir sind nicht nur unsere Angst. Wir sind nicht nur unser Kontrollversuch.
Wir sind etwas viel Tieferes.
Und dieses Tiefere kann auch mitten im Sturm ruhig sein.
Loslassen heißt nicht aufgeben
Ein Satz, der mir in solchen Momenten immer klarer wird, ist: Loslassen heißt nicht fallen lassen. Loslassen heißt:
Ich höre auf, innerlich zu würgen.
Ich höre auf, die Zukunft festzuhalten.
Ich höre auf, mit Angst „vorzusorgen“, als könnte Angst etwas verhindern.
Loslassen heißt:
Ich tue, was ich tun kann – aus Liebe.
Ich sage ja zu meinen Grenzen.
Ich helfe dort, wo es möglich ist.
Und ich lasse den Rest in Gottes Hände.
Weil es Dinge gibt, die wir nicht lösen können, indem wir sie tausend mal durchdenken. Manche Dinge entfalten sich. Manche Wege zeigen sich erst, wenn wir aufhören, sie zu erzwingen. Manche Lösungen entstehen nicht durch Druck – sondern aus Vertrauen und Hingabe.
Wir sind verantwortlich – und das ist eine gute Nachricht
Man könnte „Selbstverantwortung“ hart verstehen, wie ein inneres Pflichtprogramm. So meine ich es nicht. Für mich ist Selbstverantwortung etwas Zartes und zugleich Mächtiges: Ich bin verantwortlich dafür, ob ich meinen Gedanken alles glaube. Ich bin verantwortlich dafür, ob ich meine Angst füttere oder meine Liebe. Ich bin verantwortlich dafür, ob ich mich weiter verliere – oder ob ich zurückkehre.
Und diese Verantwortung ist keine Last. Sie ist Freiheit. Denn sie bedeutet: Ich bin nicht ausgeliefert. Nicht einmal dann, wenn das Außen schwer ist. Ich kann mich innerlich ausrichten. Ich kann mich erinnern. Ich kann mich entscheiden, dem Leben wieder zu vertrauen – auch ohne Garantie.
Die Liebe kann nur fließen, wenn ich ihr Raum gebe
Etwas in mir hat verstanden:
Die Liebe geht ihren Weg – aber nicht durch meinen inneren Widerstand. Wenn ich nur verkrampft bin, wenn ich nur kontrolliere, wenn ich nur Szenarien baue, dann ist da kein Raum. Aber wenn ich wieder weich werde, wenn ich wieder atme, wenn ich wieder verbunden bin, dann kann etwas Größeres wirken. Und manchmal zeigt sich erst im Rückblick: Viele Sorgen waren Vorwegnahmen. Viele Ängste waren Geschichten. Viele Gedanken waren Lärm. Das Leben hatte seinen eigenen Weg Und ich musste ihn nicht erzwingen. Ich musste nur da sein.
Eine stille Einladung
Wenn du gerade in so einem Zustand bist – überfordert, traurig, innerlich abgetrennt.
Dann möchte ich dir etwas sagen, ganz schlicht:
Du musst da nicht bleiben. Vielleicht kannst du nicht sofort alles lösen. Vielleicht bleibt die Situation im Außen komplex. Vielleicht gibt es keine schnellen Antworten.
Aber du kannst zurückkommen.
Ein Atemzug. Ein Innehalten. Ein ehrliches “ Gott, ich kann gerade nicht – halte du mich.“ Eine Hand auf dem Herzen. Ein “ ich bin jetzt hier.“ Ein “ ich lasse los.“ Ein “ ich vertraue.“ Nicht, weil alles gut ist. Sondern weil du wieder verbunden bist mit dem, was gut ist.
Und aus dieser Verbindung heraus kannst du gehen. Schritt für Schritt. Mit Grenzen. Mit Liebe. Mit Würde. Mit Vertrauen.
Herz Anker für dich:
Halte inne.
Lege deine Hand auf dein Herz.
Atme langsam ein und aus.
Sag innerlich:
Ich bin hier, ich bin gehalten.
Nicht jeder Gedanke ist Wahrheit.
Manche sind nur Angst in Verkleidung.
Ich darf wählen, welchem Gedanken ich folge.
Auch wenn ich den Weg nicht sehe,
vertraue ich dem, der ihn sieht.
Ich lasse los – und ich bleibe aufrecht.
Und wenn ich falle, falle ich nicht ins Leere.
Ich falle zurück in Gottes Hände.
Wenn ich mich verliere, Findet die Liebe mich wieder.
Und während im Außen noch alles in Bewegung ist, wird es in mir still.
Denn ich erinnere mich:
Ich bin getragen.
Ich bin geführt.
Ich bin Liebe.
Und alles darf sein.

